06.12.11
Metzler setzt in unsicheren Zeiten auf ausgesuchte Unternehmensbeteiligungen
- Lösung der Schuldenkrise durch Reflationierung und Sparmaßnahmen
- Ausgewählte Unternehmensanleihen bieten attraktive Risikoprämien
- Aktien etablieren sich immer mehr als neuer „Safe Haven“
„Da viele Staatsanleihen inzwischen ihren Status als sicherer Hafen verloren haben, gilt es allein schon aus Risikoerwägungen, den Blick auf Investmentalternativen zu richten“, so Frank-Peter Martin anlässlich eines Pressegesprächs des Bankhauses Metzler in Frankfurt am Main. Martin ist als Mitglied des Partnerkreises B. Metzler seel. Sohn & Co. KGaA zuständig für die Portfoliostrategie im Metzler Asset Management. Zu den Investmentalternativen zählt er vor allem ausgewählte Unternehmensanleihen und Aktien, die zum Beispiel gemessen an den gegenwärtigen Renditen und Risikoprämien für Staatsanleihen attraktiv bewertet sind.
„Die Industrienationen stecken in der Schuldenfalle“, so der Kommentar von Chefvolkswirt Edgar Walk vom Metzler Asset Management zur derzeitigen Marktkrise. Die meisten entwickelten Volkswirtschaften seien sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor überschuldet. Verstärkt werde das Dilemma noch dadurch, dass die ungünstige demografische Entwicklung diese Länder vor zusätzliche Herausforderungen stelle. „Eine Herkules-Aufgabe“, so Walk – zumal die Geschichte gezeigt habe, dass Sparanstrengungen des Staates nur dann von Erfolg gekrönt waren, wenn gleichzeitig die private Nachfrage in die Bresche springen konnte. Da dieses Mal sowohl Staat als auch der private Sektor zum Sparen gezwungen seien, drohe ein deflatorischer Abschwung. Angesichts dieser greifbaren Gefahr, dürften die Wirtschaftspolitiker nach Ansicht von Walk alles unternehmen, um eine Deflation zu verhindern, und es sei zu erwarten, dass die Zentralbanken ihre Liquiditätsschleusen weit öffnen werden. Die daraus wahrscheinlich resultierenden höheren Inflationsraten dürften dann wieder zur Entschuldung von Staaten und Privatpersonen beitragen.
Heiko Veit, Leiter des Aktienteams „Growth“ im Kerngeschäftsfeld Metzler Asset Management, erinnerte daran, dass einige weltweit tätige Konzerne schon die Dimension von Staaten erreicht haben: So liege zum Beispiel der Jahresumsatz des US-Einzel¬handelsgiganten Wal-Mart über dem Bruttoinlandsprodukt von Österreich.
Im derzeitigen Krisenumfeld sollten Anleger aus Sicht von Veit aber auch Aktien von Unternehmen mit breiter internationaler Diversifizierung, soliden Bilanzrelationen und nachhaltigem strukturellem Wachstum wieder stärker ins Visier nehmen. Das gelte umso mehr, als sie vielfach attraktive Rendite-Risiko-Profile bieten und die Kurse vieler Wachstumstitel in Europa seit August ungerechtfertigt deutlich gefallen sind. Insgesamt attestierte Veit gerade europäischen Aktien gute Chancen auf mittelfristige Kurssteigerungen: Dafür sprächen nicht nur der Bewertungsabschlag von derzeit 25 % gegenüber dem langfristigen Mittelwert, sondern auch deutlich über der Rendite langfristiger Bundesanleihen liegende Dividendenrenditen. Um die aus der derzeit unsicheren Makrolage resultierenden Anlagerisiken zu reduzieren, legten die Metzler-Portfoliomanager den Fokus auf Aktienwerte aus weniger regulierten Branchen sowie mit hoher Innenfinanzierungskraft und geringer Verschuldung. Mögliche Inflationsrisiken würden bei der Auswahl der Einzeltitel dadurch berücksichtigt, dass vor allem in Unternehmen mit hoher Preissetzungskraft investiert werde, die bei steigendem Kostendruck in der Lage sind, ihre Margen zu verteidigen.
Den Blick auf osteuropäische Aktien richtete Markus Brück, Leiter des Aktienteams „Eastern Europe“ im Metzler Asset Management: „Zurzeit bevorzugen wir Aktien aus Russland und Polen aufgrund der soliden Fiskalsituation der Länder und wegen der relativ geringen Abhängigkeit der dortigen Volkswirtschaften vom Wachstum in der Eurozone.“ Er beurteilt entsprechende Investments als umso attraktiver, als ein sich 2012 wahrscheinlich abschwächendes Wirtschaftswachstum bereits in den Aktienkursen eskomptiert sei. Aus Branchensicht hält Brück Anlagen in Öl und Gaswerte für besonders vielversprechend: Die dahinterstehenden Unternehmen würden sich nicht nur durch eine hohe Ertragsstabilität auszeichnen, sondern auch im Exportgeschäft generell von einer sich abzeichnenden geldpolitischen Lockerung in China profitieren. In Polen werden insbesondere Konsumwerte bevorzugt.
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