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17.11.11

Aktien: Positive Perspektiven nach Kurskorrektur – Renten: Renditeverzicht als Preis für Sicherheit

„Die Kursrückschläge an den internationalen Börsenplätzen seit Juli gingen deutlich über den Charakter einer Korrektur des vorangegangenen Kursanstiegs seit dem Frühjahr 2009 hinaus“, so Frank Naab, Leiter Portofoliomanagement Private Banking anlässlich eines Pressegesprächs am 17. November in Hamburg. Diese Kursrückschläge resultierten in erster Linie aus der Eskalation der Schuldenkrise vor allem in der Eurozone und führten zu stark erhöhter Volatilität. Am Markt stünden sich derzeit Anleger, die mehr oder weniger wahllos Aktien verkaufen, fundamental überzeugten Käufern stark gefallener Titel gegenüber. Dies sei üblicherweise ein verlässlicher Hinweis darauf, dass zumindest der vorläufige Höhepunkt der Krise überschritten ist und die Optimisten wieder Morgenluft wittern. Metzler rechne mit einer sich abschwächenden, aber nicht schrumpfenden Ökonomie. Daher sei es möglich, dass die Unternehmensgewinne im kommenden Jahr stagnieren. „Wir erwarten zudem, dass die Volatilitätsindizes in den kommenden Monaten zurückgehen werden und die Kursentwicklung an den Aktienbörsen weniger von Angst getrieben sein wird“, führte Naab aus. Die Kombination aus attraktiver fundamentaler Bewertung und zunehmend konstruktiver Marktstruktur stütze Metzlers Einschätzung, dass Aktien weltweit, aber vor allem in Europa, positive Kursperspektiven haben – trotz der hohen politökonomischen Risiken in der Eurozone.

Aktien
Europäische Aktien seien weltweit am günstigsten bewertet, so Naab. Denn sie wären – neben den Schwellenländer-Aktien – im Zuge der Vertrauenskrise am stärksten unter Druck geraten. Ihre aktuelle Bewertung liege derzeit ca. 25 % unter dem von Metzler Private Banking als gerechtfertigt eingestuften Niveau. Angemessen wären die derzeitigen Kurse nach Naabs Dafürhalten nur, wenn es infolge einer Rezession zu massiven Gewinneinbrüchen und Dividendenkürzungen käme.

US-amerikanische Aktien zeigten sich im bisherigen Jahresverlauf standhaft. So verlor der S&P 500 in lokaler Währung bis Mitte Oktober lediglich 2,5 % an Wert, während sein europäisches Gegenstück, der STOXX Europe 600, 13 % nachgab. Diese Diskrepanz dürfte neben dem eher defensiven Charakter des US-Börsenbarometers mit einem relativ geringen Anteil an Finanztiteln darauf zurückzuführen sein, dass US-Anleger ihre Gelder angesichts der europäischen Staatsschuldenkrise aus der Eurozone abzogen und am Heimatmarkt anlegten. Trotz des robusten Kursverlaufs der US-Papiere im laufenden Jahr liege auch deren aktuelle Bewertung unter dem von Metzler Private Banking errechneten „fairen“ Niveau: Die Dividendenrendite von durchschnittlich ca. 2,25 % der im S&P 500 gelisteten Unternehmen sei höher als die Verzinsung zehnjähriger US-Staatsanleihen, was seit den 1950er-Jahren erst zum zweiten Mal vorgekommen ist. Auch das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf der Basis der von Metzler Private Banking geschätzten Gewinne für die nächsten zwölf Monate liege für US-Aktien mit 12,5 unter der von Metzler angenommenen „fairen“ Bandbreite von 14–15.

Neben den Börsen der etablierten Industrieländer lockten die Märkte der Schwellenländer mit günstigen Bewertungen, weil die Aktienkurse auch dort im dritten Quartal um rund ein Viertel einbrachen. Aktieninvestments in Schwellenländern seien laut Naab langfristig nach wie vor interessant, da sich die aufstrebenden Volkswirtschaften einstweilen weiterhin durch eine höhere Wachstumsdynamik und eine geringere Verschuldung als die meisten Industrieländer auszeichnen dürften. Die Abhängigkeit der jeweiligen Börsen von den zuströmenden Geldern aus dem Ausland sei jedoch weiterhin hoch, was diese Aktienmärkte besonders anfällig mache für Rückschläge, wenn der Risikoappetit der ausländischen Anleger einmal abnehmen sollte.

Renten
Anleger am Geld- und Rentenmarkt sehen insgesamt schwierigen Zeiten entgegen, denn sie müssten, so Naab, „zunehmend zwischen einem Mehr an Risiko oder einem Weniger an Ertrag wählen.“ Das Problem der weltweit hohen Verschuldung führe dazu, dass nicht nur erhöhte Ausfallrisiken drohen, sondern dass steigende Inflationsraten zusätzlich eine oft negative Verzinsung des eingesetzten Kapitals zur Folge haben. Vor allem strukturelle Faktoren sprächen für weiterhin niedrige oder sogar negative Realzinsen. Viele Notenbanken würden die Wirtschaft derzeit mit „billigem“ Geld versorgen. Wenn die Notenbanken aber im Falle einer sich stabilisierenden Konjunktur die Überschussliquidität nicht rechtzeitig „einfangen“ könnten, bestünde die Gefahr, dass das hohe Kreditschöpfungspotenzial die Inflation erhöht. „Für die Eurozone kalkulieren wir mit durchschnittlichen Inflationsraten von 2,75 % und 3,0 % für dieses und nächstes Jahr“, so Naab.

Von den großen Notenbanken könnten Zinsanleger derzeit nur wenig Unterstützung erhoffen. Die jüngsten geldpolitischen Entscheidungen würden eher in Richtung einer höheren Toleranz gegenüber Inflation deuten als einer konsequenten Ausrichtung am Ziel der Preisstabilität. Mit im Vergleich zur Vergangenheit erhöhten Ausfallgefahren, negativen Realzinsen und gestiegenen Kursrisiken sähen sich Anleger in Nominalvermögen wahrscheinlich einer Zeitenwende gegenüber: Denn derzeit bedeute der Preis für Sicherheit einen Renditeverzicht – zumindest auf realer Basis.

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Jörg-Matthias Butzlaff
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