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23.12.10

"Franz Fehrenbach – Rendite mit Prinzipien"

Von Friedrich von Metzler


Franz Fehrenbach hat Haltung gezeigt. Der Bosch-Chef führte seinen Konzern nicht nur erfolgreich durch die Krise, sondern bekannte sich auch zum Allgemeinwohl. Kein Unternehmer hat die Großbanken so kritisiert wie er – zu Recht.

"Lieber Geld verlieren als Vertrauen" – so lautete das Credo des Firmengründers der Robert Bosch GmbH. Der heutige Unternehmensleiter, Franz Fehrenbach, hat sich diesen Leitsatz zu eigen gemacht und auch in schwierigsten Zeiten bewahrt.

Ohne Vertrauen kann Wirtschaft langfristig nicht funktionieren. Sie beruht auf Verlässlichkeit, konsequentem Handeln, Transparenz und auf der Berechenbarkeit des Gegenübers. Vertrauensbildung ist eng verzahnt mit dem Übernehmen von Verantwortung. Franz Fehrenbach nimmt diese Werte ernst. Dafür zolle ich ihm größte Anerkennung. Denn Werte zu leben und zu bewahren, vor allem dann, wenn die Bedingungen alles andere als günstig sind – und so war es in der vergangenen Dekade häufig –, ist für den Leiter eines multinationalen Konzerns eine immense Herausforderung. Franz Fehrenbach hat sie mit klugem und weitblickendem Handeln auch über die jüngste Wirtschaftskrise hinweg gemeistert.

Als er Anfang 2008 vor einer möglichen Rezession infolge der Bankenkrise warnte, trug ihm das auch Kritik ein – schließlich ist das Ende einer Schönwetterperiode keine angenehme Perspektive. Für seinen Konzern jedenfalls stellte er vorsichtshalber rechtzeitig eine ausreichend hohe Liquidität sicher. Als dann die Auftragseinbrüche auch Bosch das Leben schwermachten, half das Finanzpolster, viele Mitarbeiter an Bord zu behalten – und damit die über Jahre gewachsene Fachkompetenz des Konzerns.

Eine Entscheidung, die Mut erforderte: Die damit einhergehende Kostenbelastung bedeutete den Verzicht auf ein besseres Jahresergebnis. Heute, im Aufschwung, macht sich dieser Mut bezahlt: Bosch konnte sofort auf das Know-how seiner Mitarbeiter bauen und wieder schnell durchstarten. Möglich war diese Strategie auch dank eines guten Einvernehmens zwischen Mitarbeitern und Geschäftsleitung: Ein flexibler Tarifvertrag erlaubte das Verschieben einer Lohnerhöhung. Aus Gründen der Fairness zog Franz Fehrenbach dann, als die Auftragslage wieder stimmte, die geplante Tariferhöhung vor.

Autor Friedrich von Metzler, Jahrgang 1943, führt seit 1971 die renommierte Privatbank B. Metzler seel. Sohn & Co. KGaA, die auf die Beratung vermögender Privatleute spezialisiert ist. Die Finanzkrise traf das Traditionshaus nicht so stark – weil an Werten und Prinzipien festgehalten wurde. Von Metzler engagiert sich sozial und kulturell.Lupe

Autor Friedrich von Metzler, Jahrgang 1943, führt seit 1971 die renommierte Privatbank B. Metzler seel. Sohn & Co. KGaA, die auf die Beratung vermögender Privatleute spezialisiert ist. Die Finanzkrise traf das Traditionshaus nicht so stark – weil an Werten und Prinzipien festgehalten wurde. Von Metzler engagiert sich sozial und kulturell.

Verantwortung und Weitsicht sind jene Werte, die Familienunternehmen zugeschrieben werden. Keinen fremden Anteilseignern verpflichtet, haben sie größere Freiheit, auf kurzfristige Erfolge zugunsten einer nachhaltigen Strategie zu verzichten. Vielfach sind Familienunternehmen getragen von der Überzeugung, dass transparente und nachprüfbare Grundsätze die Basis für den nachhaltigen Geschäftserfolg sind, und von dem Wunsch, ein möglichst gesundes Unternehmen an die nächste Generation zu übergeben. Mein Vater, Albert von Metzler, stellte sich immer wieder die Frage: Ist die Bank für die Zukunft richtig aufgestellt? Eine Frage, die auch Franz Fehrenbach für Bosch stets im Blick hat.

Nachhaltiges wirtschaftliches Handeln, so meine Überzeugung, sollte auch am gesellschaftlichen Nutzen orientiert sein – gefordert ist heute eine Unternehmenskultur, die sich sozialen und ökologischen Leitbildern verpflichtet fühlt. Franz Fehrenbach unterstreicht immer wieder den Gedanken: Wirtschaftswachstum darf nicht um den Preis der Umweltzerstörung erkauft werden. Innovationen vor allem in diesen Bereich sind ein wesentliches Fundament für die Exportstärke und eine solide Zukunftssicherung.

Technische Innovationen erfordern Expertenwissen. Mit dem Engagement in der Max-Planck-Gesellschaft und im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft – um nur zwei Beispiele zu nennen – setzt sich Franz Fehrenbach dafür ein, dass Deutschland im globalen Wettbewerb vorne mitspielt. Auch damit dokumentiert er Weitsicht und verantwortliches Handeln im Sinne des Allgemeinwohls.

Führungspersönlichkeiten seines Formats haben wesentlich dazu beigetragen, dass Deutschland die Weltwirtschaftskrise 2009 als Folge der Bankenkrise 2008 glimpflich überstanden hat. Wie gut, dass es Firmenlenker gibt, die im Einklang mit dem schönen Schiller-Vers handeln: „Und ob alles in ewigem Wechsel kreist, es beharret im Wechsel ein ruhiger Geist.“

(c) Handelsblatt GmbH - Dezember 2010
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