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17.03.10

Der Euro arbeitet an einer Bodenbildung

Von Eugen Keller

Vor genau zwei Monaten hatten wir an gleicher Stelle die Ehre, unseren technischen Ausblick für das Euro-Dollar-Währungspaar präsentieren zu dürfen. Bei Kursen um 1,45 Dollar wiesen wir damals auf die Risiken eines weiteren Abgleitens in Richtung 1,40 bzw. 1,3750 hin. Tatsächlich erreichte die Gemeinschaftswährung über die Komplettierung einer bearishen Flaggenformation nicht nur unser avisiertes Kursziel von 1,3750, sondern markierte infolge der Sorgen um Griechenland mit 1,3434 sogar ein neues Verlaufstief.


Das Fazit unseres letzten Beitrags aufgrund relativ positiver Fundamentaldaten und konstruktiver technischer Faktoren lautete, Rücksetzer in diese Region zur Positionsverstärkung zu nutzen. Nicht zuletzt da unsere damalige Verlaufsprognose von Kursen um 1,50 zum Jahresende ausging. An dieser Grundhaltung hat sich nichts geändert, zumal der Euro mit seinem bisherigen Verlaufstief nahezu punktgenau das 61,8% Fibonacci-Retracement der letzten, starken Aufwärtsbewegung (1,2335 bis 1,5145) auslotete. 

Die Finanzminister der Eurozone haben sich auf die technischen Modalitäten zur Unterstützung Griechenlands geeinigt, wenn sich die Notwendigkeit dazu abzeichnet, so der Chef der Eurogruppe Juncker. „Koordinierte bilaterale Hilfe“ als Lösung für Griechenland und letztlich auch für andere arg gebeutelte Staaten der Schicksalsgemeinschaft. Was dem einen recht ist, muss dem anderen billig sein. 

Die Finanzminister des Euroraums sind nach einer langen Periode nur vager Andeutungen, die letztlich dem Euro geschadet hat, vorgestern konkreter geworden. Auch wenn man über die Maßnahmen kontrovers diskutieren kann, so ist doch eins klar geworden: Die starke politische Klammer, die den Euro umgibt, hält. Die Spekulation, die dies in den letzten Wochen oft in Frage gestellt und über eine Zweiklassengesellschaft spekuliert hat, wird entsprechend abebben. 

Nichtsdestotrotz haben Moody’s und S&P kürzlich davor gewarnt, dass das Risiko von Zahlungsausfällen weltweit steigt. Vor allem Großbritannien und die USA müssten überzeugende Pläne zur Reduzierung des Defizits vorlegen – ansonsten könnten sie bereits 2011 ihre Bonitätsbestnoten einbüßen. D. h. auf den zweiten Blick sitzen die Industrieländer wieder alle in einem Boot. Relativ geringe Währungsverschiebungen unter den Haupthandelswährungen wären – ähnlich wie im letzten Jahr – eigentlich die Konsequenz. Parallel zu der dynamischen Euro-Abwärtsbewegung der vergangenen drei Monate stiegen auch die Wetten auf einen weiter schwachen Euro. So markierten die spekulativen Marktteilnehmer an der CME in der aktuellen Berichtswoche mit 74551 Kontrakten einen neuen Rekord-Shortüberhang. Die analog dazu berichteten Stimmungsindikatoren des Sentix zeigen allerdings bereits deutliche Divergenzen auf. Hier drehte die negative Euro-Stimmung nach historischen Tiefs wieder zugunsten des Euro. Die einseitige Positionierung an der CME ist eher als Kontraindikator und damit als klares Signal für steigende Kurse zu sehen. 

Nachdem der Euro sich vorgestern noch im Hoch bei 1,3784 gezeigt hatte, musste er anschließend Kurverluste hinnehmen und fiel bis auf 1,3639 zurück. Die Gemeinschaftswährung ist damit am Dezember-2009-Abwärtstrend, der aktuell bei 1,3740 verläuft, gescheitert. Wenngleich die Tageskerzen vorgestern ein Euro Bearish Engulfing Pattern ausgebildet haben, hat der Euro gestern einen erneuten Versuch gestartet, aus dem kurzfristigen Abwärtstrendkanal nach oben auszubrechen. 

Dies dürfte ihm in den nächsten Tagen auch gelingen. Denn einerseits befinden sich die Trendfolger noch immer im Kaufmodus und andererseits haben die Oszillatoren noch Luft nach oben. Äußerst positiv sieht die Situation auch bei den wöchentlichen Oszillatoren aus. Nach vier Dojis in der Folge haben RSI und Slow Stochastics gerade erst nach oben gedreht. 

Der Dollar hat seit Jahresbeginn weiter von den strukturellen Schwächen der Eurozone, der kurzfristig höheren wirtschaftlichen Dynamik und einer sich zugunsten des Greenback ausweitenden Zinsdifferenz profitiert. Im weiteren Jahresverlauf wird der Dollar jedoch aufgrund der latenten US-Verschuldungsproblematik und einer Notenbank, die länger als erwartet expansiv bleibt, anfällig für Korrekturen sein. Fundamental bleibt der Greenback unserer Meinung nach angreifbar, zumal die Fed stärker als alle anderen Zentralbanken die Geldmenge ausgeweitet hat. 

Auf Jahressicht freundlicher 

Ungeachtet der vielfältigen Probleme in der Eurozone sehen wir den Euro gegenüber den Haupthandelswährungen auf Jahressicht leicht freundlicher. Nicht zuletzt da man jetzt gezwungen ist, als erster Währungsraum seine Hausaufgaben in Sachen Konsolidierung der Staatsschulden zu machen. 

Nach dem dramatischen Kursrückgang von 1,5145 auf 1,3435 Dollar scheint nun die Zeit für eine Erholung gekommen, nicht zuletzt aufgrund der vorangegangenen positiven Divergenzen bei RSI und Slow Stochastik. Schwächere Euro-Dollar-Notierungen sind Kaufkurse. Charttechnisch liegt der erste markante Widerstand bei 1,3740. Bei einem Überschreiten wären Kurse um 1,40 das erste Ziel. Da sich der Fokus der Marktteilnehmer in der zweiten Jahreshälfte wieder stärker auf die Probleme in den USA richten wird, halten wir an unserer Jahresendprognose von 1,50 Dollar fest.

 

Eugen Keller ist Leiter der Devisen- und Rentenmarktstrategie beim Bankhaus Metzler.

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