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13.02.10

Unabhängige Beratung zahlt sich aus

Von Johannes J. Reich, Partner B. Metzler seel. Sohn & Co.

Vertrauenswürdigkeit und persönliche Verantwortung als Stärken - Speziellem Investment Banking inhabergeführter Privatbanken steht die Zukunft offen.

Einigen Unkenrufen zum Trotz: Dem Investment Banking inhabergeführter Privatbanken gehört gerade nach der Finanzmarktkrise die Zukunft. Allerdings nur wenn sie an ihren angestammten, eigentlichen Stärken und Leitlinien festhalten und sie besonnen weiterentwickeln; vor allem aber wenn sie konsequent Geschäfte und Geschäftsmodelle meiden, die nicht zu ihrer Struktur passen. Dies gilt insbesondere für solche Geschäftsmodelle, die gerade auch mit Blick auf die sich permanent verändernden Marktbedingungen nicht nur theoretisch, sondern inzwischen nachweislich zu hohe Risiken bedeuten.


Typologische Merkmale

Als typologische Stärken einer inhabergeführten Privatbank sollten nach unserer Auffassung Unabhängigkeit, Objektivität, Vertraulichkeit, Kontinuität, persönliche Verantwortung und die strukturelle Vermeidung sowohl von Interessenkollisionen zwischen Kunde und Bank als auch von inadäquaten Risiken erkannt, gepflegt und strategisch stringent weiterentwickelt werden. Dazu gehören ebenso die persönliche Nähe zu den Kunden und ein besonders ausgeprägtes Verständnis ihrer Bedürfnisse auf der Grundlage der über lange Zeiträume gewachsenen intimen Marktkenntnisse.

Ein erfolgreicher Weg im institutionellen Bereich ist eine konsequente Ausrichtung auf das weitgehend bilanzunabhängige und damit risikoaverse Beratungs- und Provisionsgeschäft. Die sich abzeichnenden Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf das Investment Banking zeigen, dass eine Kapitalmarktberatung ohne Interessenkonflikte  also etwa ohne Eigenhandelsinteressen, eigene Investitions- oder Platzierungsinteressen zukünftig noch stärker auf ,,Stand-alone‘‘-Basis nachgefragt werden könnte.

Die unterschiedlichen Bestrebungen und jüngsten Vorschläge zur Finanzmarkt- und Bankenregulierung weisen in eine klare Richtung: Die neuen Rahmenbedingungen für das Investment Banking zielen darauf, die Haftungs- und Eigenkapitalanforderungen für die Institute zu erhöhen, Eigenhandel und Beteiligungsgeschäft zu beschränken sowie Leverage, Risiken und Interessenkonflikte zu begrenzen. Sollten jüngste Vorschläge, wie beispielsweise der von US-Präsident Obama umrissene, konkretisiert werden, könnten sich die Gewichte im internationalen Investment Banking dramatisch verschieben. Institute, die im Einlagengeschäft tätig sind, dürften keinen Handel auf eigene Rechnung mehr betreiben oder sich in Hedgefonds oder Private-Equity-Gesellschaften engagieren. Einzige Ausnahme: Es geschieht im Interesse des Kunden. Die bislang im internationalen Investment Banking vielerorts übliche ,,Kuppelproduktion‘‘ und klassische, quasi symbiotische Geschäftsbezüge zwischen Beratung in Kapitalmarktfragen, Platzierung von Finanzinstrumenten und Eigenhandel würden obsolet.

Zu erkennende Trends

Folgende Trends zeichnen sich bereits in einzelnen Geschäftsbereichen des Investment Banking ab: Das reine Beratungsgeschäft dürfte vorerst noch von vergleichsweise hohen Cost-Income-Ratios geprägt sein. Hier wirkt noch die über viele Jahre hinweg betriebene Praxis der Quersubventionierung, zum Beispiel im Kredit-und Mergers&Acquisitions (M&A)-Geschäft nach (Stichwort: Stapled Finance), bei dem die Preisbildung für Risiko (Eigenkapital) und Beratung bislang nicht deutlich voneinander zu trennen waren. Allerdings ist hier eine zunehmende Entflechtung zu beobachten, da Kunden Transparenz in der Preisbildung fordern und wissen wollen, was die Dienstleistungen auf Stand-alone-Basiskosten.

Gleichzeitig werden die höhere Risikogewichtung von Handelsaktiva und die steigenden Kapitalanforderungen den bislang häufig sehr profitablen Eigenhandel von Investmentbankenweniger attraktiv machen  umso mehr, als über diesem Geschäftszweig das Damoklesschwert von Obamas genanntem Vorschlag schwebt. Ein auf absehbare Sicht stabiler Ertragsbringer für große Investmentbanken dürfte das Geschäft mit der Platzierung von mehr oder weniger komplexen Finanzmarktprodukten sein, bei dem die Banken attraktive Knappheitspreise erzielen können so bei Anleihen im vergangenen Jahr und demnächst vielleicht wieder bei Initial Public Offerings (IPOs).

Die Conditio sine qua non für unser spezielles Investment Banking ist die Unabhängigkeit unserer Bank. Unabhängigkeit verstehen wir vor allem auch als weitestgehende und strukturell fundierte Freiheit von Interessenkonflikten. Entsprechend ist es oberstes Unternehmensziel, diese Unabhängigkeit durch nachhaltigen Geschäftserfolg zu bewahren  nicht als Selbstzweck, sondern als unabdingbare Voraussetzung für Stärke und Glaubwürdigkeit im Beratungsgeschäft. Und nur so wiederum entsteht Kundenvertrauen, und daraus erwachsen langjährige Geschäftsbeziehungen, die auch schwere Zeiten überdauern.

Gemäß dieser konsequent konservativen Geschäftspolitik definiert sich unser Investment Banking nicht nur über das, was wir tun, sondern in vielleicht noch höherem Maße darüber, was wir nicht tun. Daher ist unsere Geschäftsstrategie langfristig und risikoavers ausgerichtet. Untermauert wird dies dadurch, dass wir bewusst weder im klassischen Kreditgeschäft noch in Emissionskonsortien vertreten sind, kein Private-Equity-Geschäft betreiben und auf den Eigenhandel in Aktien konsequent verzichten. Unser Tätigkeitsschwerpunkt liegt auf der Kundenberatung in ausgewählten Kapitalmarktfragen und damit auf dem wenig kapitalintensiven und daher weit weniger risikoanfälligen Provisionsgeschäft.

Mit unserem Investment Banking sind wir der prädestinierte Partner für institutionelle Kunden, die in ausgewählten Kapitalmarktfragen objektiven Rat und langfristig ausgerichtete Lösungen suchen sei es im Aktien-, Renten-oder Devisengeschäft oder beim Kauf und Verkauf von Unternehmen (Unternehmensbeteiligungen) sowie in Finanzierungsfragen. Eine zunehmend wichtige Rolle spielen wir zudem bei Projekt- und Spezialgeschäften, bei denen namhafte Industrieadressen uns als neutrales, unabhängiges Institut etwa beauftragen, Aktienpakete oder Beteiligungen zum Beispiel im Sinne treuhänderischer Lösungen zu halten und damit zusammenhängende Aufgaben für sie zu übernehmen.

Im Corporate Finance haben wir uns spezialisiert auf die Beratung von Unternehmen aus dem In-und Ausland, von Private-Equity-Häusern sowie der öffentlichen Hand beim Kauf und Verkauf von Unternehmensanteilen, bei Kapitalmarkttransaktionen und Finanzierungsthemen. Familiengeführte, mittelständische Gesellschaften gehören ebenso zu unseren Kunden wie börsennotierte Konzerne. In alle Projekte ist stets das Senior Management eingebunden und steht als Ansprechpartner jederzeit zur Verfügung.

Kein Beteiligungsgeschäft

Kunden erwarten und bekommen von uns zweifelsfrei ihren Interessen verpflichtete, beratende oder koordinierende Unterstützung bei der Finanzierung von Kaufmandaten. Sie beauftragen uns damit, entsprechende Angebote von anderen Banken einzuholen, wofür wir unsere langjährig gewachsenen Kontakte in der Banking Community und unser Know-how in puncto Finanzierungsinstrumente und -struktur in die Waagschale werfen können. Eigene Finanzierungen stellen wir ebenso nicht bereit wie ,,Stapled-Finance‘‘-Koppelgeschäfte, um daraus resultierende Interessenkonflikte zu vermeiden. Aus demselben Grund sind wir im Gegensatz zu vielen anderen Investmentbanken nicht im Beteiligungsgeschäft tätig.

Im Devisen- und Rentengeschäft wenden sich Kunden unter anderem an uns, um einen unabhängigen und nicht von Eigenhandelspositionen eingefärbten Rat zu erhalten. Wir analysieren für sie neue Produkte und hochkomplexe Finanzinnovationen am Renten- und Devisenmarkt und beantworten ihnen die Frage, ob wir solche Instrumente für ihren Bedarf für geeignet halten. Dabei lassen wir uns in der Analyse stets von der Perspektive einer langfristigen Geschäftsbeziehung leiten und nicht vom Interesse am nächsten Trade. Auch in diesem Geschäftsbereich kommt uns dabei zugute, dass wir unsere Kunden oft jahrzehntelang beraten und daher ihren Bedarf im Währungsmanagement oder im Rentensegment sehr gut kennen.

Fundierte, objektive Analyse

Im Aktiengeschäft sind wir Berater und Broker nationaler und internationaler institutioneller Kunden, die eine ebenso fundierte und objektive Analyse und Beratung aus erster Hand für Anlagen im deutschen und im europäischen Aktienmarkt suchen und die ebenso klare wie glaubwürdige Investmentempfehlungen schätzen. So können unter anderem ausländische Banken, Portfoliomanager und Kapitalanleger auf das Bewertungs- und Analyse­Know-how sowie die genaue Kenntnis der lokalen Marktbesonderheiten unseres Equity Research zurückgreifen, um sich aus erster Hand tiefgehende Analysen zu den jeweiligen Unternehmen und Branchen zu verschaffen. Damit bieten wir den Kunden die Gelegenheit, die Investmentempfehlungen unserer Analysten anhand von Informationen aus erster Hand sowie Eindrücken vor Ort zu ergänzen und zu überprüfen.

Um unsere Kunden auch in diesem Geschäftszweig unabhängig beraten zu können, beteiligen wir uns nicht an Konsortial- oder Eigenarbitragegeschäften. Oberstes Ziel bei der Betreuung unserer Mandanten ist eine diskrete, für unsere Kunden jederzeit nachvollziehbare und nur ihrem Interesse verpflichtete Ausführung von Wertpapiergeschäften.

Diskret und quasi geräuschlos

Kunden scheinen diese Freiheit von Interessenkonflikten zu schätzen, was sich auch darin zeigt, dass sie uns in relevantem Umfang als Vertrauensbroker für Spezialgeschäfte in Anspruch nehmen. Dabei strukturieren wir für unsere Geschäftspartner große und komplexe Kapitalmarkttransaktionen und führen sie mit Diskretion quasi ,,geräuschlos‘‘ und damit im Kundeninteresse äußerst marktschonend aus. In einem treuhandartigen Sinne für große deutsche Unternehmen gehaltene Positionen jenseits der Milliarden-Euro-Grenze sind dabei keine Seltenheit. In diesem Segment sind wir der prädestinierte Partner für alle Mandanten, die eine Investmentbank suchen, die absolute Vertraulichkeit und Verlässlichkeit gewährleisten kann und die Know­how, Kreativität und lange Erfahrung in diesem Geschäft mitbringt.


Johannes J. Reich, Jahrgang 1959, leitet den Bereich Corporate Finance sowie das institutionelle Aktiengeschäft des Bankhauses Metzler.

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